2012-01-31

Huch, schon Halbzeit?

Ich melde mich zum ersten Mal in 2012! Ich bin also schon bei der Halbzeit angekommen, die Zeit vergeht hier rasend schnell...
Mal wieder war ich im Urlaub ;-)
Nach Weihnachten sind wir ( alle, bis auf Mark und Nicho) mit dem Auto nach Buenos Aires gefahren, was so um die 17 h gedauert hat. Im Haus meiner Gastgrosseltern, wo wir gewohnt haben, gab es kein Internet, dafür aber Pool und viel Familie! Meine Gastmutter hat in Buenos Aires 6 Brüder, die alle irgendwann mal zum Essen gekommen sind. Sie mussten sich allerdings absprechen, dass nur zwei zur Zeit mit Familie kommen, da sonst der Platz nicht gereicht hätte. So war eigentlich fast jeden Nachmittag volles Haus, wodurch es nie langweilig wurde. Silvester haben wir dann bei einem meiner Gastonkel verbracht, der in einem privaten Viertel mit Zugang zu einem See wohnt. Aus dem Garten haben wir dann das Feuerwerk im ganzen Viertel gesehen (die geben verdammt viel Geld dafür aus...). Feiern bin ich dann nicht mehr gegangen, weil das alles relativ schwierig zu organisieren ist. Somit war ich für lateinamerikanische Verhältnisse recht früh im Bett.

An Neujahr habe ich Lucas (meinen ehemaligen Austauschschüler aus Buenos Aires) dann endlich wiedergesehen! Ich wurde total nett von der ganzen Familie aufgenommen und hab mich gleich wieder heimisch gefühlt. Abends haben wir uns dann mit Laura (deutsche Freiwillige in Asunción) und ihrem Freund aus Deutschland in einer Bar getroffen und um 24:00 Uhr auf meinen Geburtstag angestossen.


Am Nachmittag habe ich mit der ganzen Familie bei meinen Gastgrosseltern gefeiert und Lucas` Familie war auch dabei. War echt schön mit zwei Gastfamilien zu feiern! Wir sassen zusammen, haben Kuchen gegessen und am Ende bin ich dann mit Klamotten im Pool gelandet...mein erster Geburtstag im Sommer!
Abends bin ich noch mit meinem Gastonkel, seiner Tochter, meiner Gastmutter, Nathalie und Lucas Essen gegangen, wobei natürlich auch Truco gespielt wurden musste! ( Das setzt sich seitdem bei uns in Asunción auch durch!).
Während den nächsten Tagen habe ich die Familien ab und zu gewechselt, eine Zeit lang habe ich bei Lucas gewohnt und dann wieder bei meinen Gastgrosseltern gewohnt.

Am Samstag ging es dann in den Kurzurlaub nach Uruguay! Ich habe mich mit Jonas und Clara, die aus Asunción gekommen sind, in Montevideo am Terminal getroffen und habe mit ihnen in einerm Hostel in der Altstadt gewohnt. Montevideo war wie ausgestorben, weil die meisten an den Strand fahren im Sommer. Trotzdem haben wir viele schöne Orte in Montevideo gefunden. Die Stadt hat etwas Europäisches, ist aber nicht so gross wie Buenos Aires, was sie sehr angenehm macht. Wir sind z.B. am Hafen gewesen, am Strand, im Fussballstadion und in der Altstadt. Nach 3 Tagen in Montevideo setzten wir uns in den Bus nach Punta del Este, DEM Urlaubsziel für die High Society des Südens. Dementsprechend wurde auch unser Geldbeutel angegriffen, eine Nacht im Hostel kostete so viel wie drei in Montevideo! Und diese Preise ziehen sich durch die gesamte Gegend, da vermisst man die "Coca für Mil" aus Asunción ;-) Die gibt es nämlich meistens im Bus zu kaufen, 0,2 L im Becher serviert! (Kostet 1 000 Guaranies, das sind ca. 17 cent ) Bei momentan sehr stickigen 40 Grad kann einem auf meinen geliebten Busfahrten echt nichts Besseres passieren!

Aber zurück zu Punta del Este: Die Strände sind auch echt schön, es war nur schade, dass wir nur zwei Tage da waren. Bis dahin war der Urlaub top - konnte natürlich nicht so bleiben! Auf dem Rückweg haben wir Claras Kamera und somit fast alle Fotos des Urlaubs verloren...Das trübte die Stimmung etwas.
Jonas ist danach noch zu mir nach Buenos Aires gekommen für drei Tage und wir haben Sightseeing im Schnelldurchlauf gemacht. War sehr interessant, es sind viele Erinnerungen hochgekommen!
Jonas ist dann am Samstag wieder zurück nach Asunción und ich bin noch ein paar Tage geblieben.

Am Mittwoch morgen sind wir wieder zurück gefahren, und mit uns meine Gastcousine, die noch bis Samstag hier gewesen ist. Durch den Familienurlaub ist das Verhältnis zu meiner Gastfamilie noch besser geworden finde ich, da wir viel zusammen gemacht haben, wenn es auch nur Terere-Trinken mit meinem Gastvater war! Solange ich eine Termo hatte...die wurde mir nämlich zu Weihnachten geschenkt um das paraguayische Nationalgetränk zu trinken. Mein Name war eingraviert, der Name meiner Gastfamilie und die paraguayische Flagge. Sie wurde mir in einem Freizeitpark in Buenos Aires geklaut, als ich für einen Moment unaufmerksam war...Ich werde aber auf jeden Fall eine neue kaufen und die als Andenken mit nach Deutschland bringen.

In Buenos Aires musste ich grinsen, als mir bei 30 Grad gesagt wurde, es wäre frisch...in Asunción ist mir das Grinsen vergangen. Zuhause angekommen, sah mein "Bettfertigmachen" so aus: Oberkörper mit Wasser nass machen, Handtuch nass machen und aufs Bett legen, Ventilator auf Maximum und dann hoffen, dass ich einschlafe, bevor das Handtuch nicht mehr kühl ist. Die nächsten Nächte waren nicht ganz so schlimm, aber da ist ja auch noch meine Arbeit!
Bei einer Mischung aus stickiger Hitze und Gestank nach Früchten, Gemüse, Fleisch und was noch so alles auf dem Grossmarkt gelagert wird, haben wir in unserer Markthalle mikrige drei Ventilatoren, die heisse Luft durch die Gegend pusten. Zum Glück arbeite ich während der Schulferien halbtags, nur dienstags und donnerstags bleiben wir länger um das weitere Vorgehen zu planen. Allerdings kommen jetzt sowohl die Vormittags-, als auch die Nachmittagsgruppe zur selben Zeit, was das ganze ziemlich intensiv macht, aber ich habe nachmittags Zeit für andere Sachen.
So habe ich zum Beispiel endlich einen guten Volleyballverein gefunden. Eigentlich gleich zwei... Ueber die Oma von Nichos Freundin habe ich Kontakt zu einem Volleyballer aufgenommen, der auch schon in Spanien gespielt hat und im Moment unter anderen die Tante (die eine bekannte Fernsehmoderatorin ist) und die Oma von Nichos Freundin trainiert. Natuerlich hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet und bin dann in einer Damengruppe gelandet, die mir nacheinander Bilder von ihren Toechtern gezeigt haben...volleyballtechnisch war das Niveau nicht so hoch, aber wir hatten maechtig Spass! Im Anschluss musste dann noch ein Foto fuer Facebook gemacht werden:

Danach bin ich dann in einen anderen Club, etwas ausserhalb von Asuncion gefahren, in dem nur Beachvolleyball gespielt wird. Es tat echt gut, mal wieder eine Runde zu spielen und nach uns hat sogar das Nationalteam Paraguays trainiert (fuer die Insider unter euch: ungefaehr A-Cup-Niveau). Die Leute sind dort sympatisch und das Niveau stimmt auch, ich kann mir also gut vorstellen da weiterzumachen. Ich wurde sogar noch eingeladen, am Wochenende ein Turnier zu spielen... Jetzt stellt sich fuer mich die Frage: Turnier oder "Nossa, nossa" live?

2011-12-29

Baden unter einem Wasserfall und Heiligabend mit einer internationalen Familie

Ich fass mich dieses Mal kurz, denn es ist schon spaet und morgen frueh um 4 Uhr fahren wir los nach Buenos Aires...
Im Dezember habe ich meine Ferien genossen, viele Leute getroffen. Ausserdem hatte Nathalie Abschlussball, der gross und elegant gefeiert wurde. Die ganze Familie war zusammen, hat echt Spass gemacht. Und es war so wie in Deutschland, zuerst total foermlich und etwas spaeter dann Party!
Aus meinem Plan, mir ein Fahrrad zu leihen und aus Asuncion rauszukommen, ist leider doch nichts geworden...Dafuer bin ich aber ab und zu mit meinen Gastgeschwistern Fahrrad gefahren. Das ist hier nicht so selbstverstaendlich wie in Deutschland, und wird hier ausserdem als Sport angesehen und nicht als einfaches Transportmittel. Bei den Strassen und dem Verkehr habe ich auch ganz schnell gemerkt warum...
Kurz vor Weihnachten ging es dann nochmal in den Urlaub in die Natur. Mit vier anderen Deutschen haben wir im Bach gebadet, auf Steinen im Bach gepicknickt und zum Abschluss unter einem Wasserfall gebadet. Hammer! Der Weg dorthin war schwierig, wir mussten einen Felsweg hinabsteigen und durch den Bach wandern, wobei Joey ihren Flipflop verloren hat und ich mit Klamotten ins Wasser gesprungen bin und hinterhergeschwommen bin....Naja ich gebe zu, ich habs auch genossen, da wir bestimmt ueber 40 Grad hatten. Am Wasserfall angekommen, haben sich die Strapazen mehr als gelohnt -ein unbeschreiblicher Ausblick und glasklares Wasser! Die Bilder sind zum Teil auf Facebook, ich werde sie aber im naechsten Eintrag nachreichen.
Dann war Heiligabend! Der Ablauf war fast genau wie in Deutschland, zuerst sind wir in die Kirche gegangen, dann mit einem grossen Teil der Familie gegessen,die unter anderem in den USA, Argentinien, Paraguay und Deutschland wohnt. Das ist aber alles etwas entferntere Verwandtschaft gewesen, wenn ich das richtig verstanden habe, denn sowohl meine Gastoma als auch meine Gastmutter haben knappe zehn Geschwister...Wenn ich nach meiner Familie gefragt werde, kommt danach immer so etwas wie "Nur eine Schwester?!"
Nach 24:00 Uhr dann Bescherung: Ich hab das Paket, das meine Eltern aus Deutschland geschickt haben, aufgemacht und die Suessigkeiten verteilt (ein Glas Nutella ist schon leer) und fuer Benji war ein Deutschlandtrikot dabei, in das er erst noch hineinwachsen muss...
Ich fands insgesamt echt schoen, zwar ist bis zuletzt keine Weihnachtsstimmung aufgekommen (obwohl es sich am Morgen durch einen Schauer bis auf 30 Grad abgekuehlt hat!), aber ich fuehle mich hier in meiner Familie echt wohl und hab mich gefreut, Weihnachten mit der kompletten Familie zu feiern. Sonst fehlt meistens jemand - jemand heisst einer meiner aelteren Gastbrueder, die oft bei ihren Freundinnen sind.
Die ganzen letzten Wochen waren meine Gastoma und mein Gastopa aus Buenos Aires hier, die Familie wird immer groesser und so langsam muessen wir echt zusammenrutschen, damit alle an den Esstisch passen.
Morgen Frueh, bzw. nachher machen wir uns allesamt (bis auf Nico und Mark) im Auto auf nach Buenos Aires in das Haus meiner Gastgrosseltern. Dort bleiben wir so ca. bis zum 15. Januar. Vorgestern kamen Clara (aus Belgien) und ich auf die Idee, doch auch nach Uruguay zu fahren, wenn man schon in der Naehe ist. Wir haben soweit alles geplant (wenn man das hier so nennen kann) und fahren vom 8.-12. Januar mit  unserem Bayern Jonas nach Montevideo und Punta del Este.
Natuerlich moechte ich die Zeit in Buenos Aires auch nutzen, Lucas und die beiden anderen Argentinier, mit denen wir 2008 den zweimonatigen Austausch gemacht haben, zu besuchen.
Ich habe dort wahrscheinlich kein Internet, deswegen wuensche ich euch auf diesem Wege schonmal Alles Gute fuer das Neue Jahr, bleibt gesund!

2011-12-09

Dschungelurlaub, knappe 60 km gepilgert und der Weihnachtsbaum steht!

Es ging mal wieder für ein Wochenende aus Asunción raus! Der Tipp kam von anderen Deutschen und so machten wir uns auf nach San Rafael, in die Nähe von Encarnacion. Wir sind fünf andere deutsche Freiwillige, ein Schüler und ich. Dort besitzt ein schweizer Ehepaar ein Reservat, in dem wir gewohnt haben. Deren Unterkunft lag so ziemlich fernab von jeglicher Zivilisation, sodass wir an dem Wochenende keinen Handyempfang, sondern Natur pur erleben durften!
Wir reisten natürlich wieder im Bus, um 24 Uhr ging es los nach Encarnacion, von dort brachte uns ein anderer Bus in den unserem Ziel am nächsten liegenden Ort, von wo wir dann, wie es in Paraguay üblich ist, auf der Ladefläche eines Pickups noch rund 10 km bis zu unserem Urlaubsort fuhren...
Dort angekommen trafen wir auf amerikanische Freiwillige, die dort in der Nähe arbeiten und uns von ihren Erfahrungen berichteten, wie zum Beispiel den nächsten Nachbarn in 5 km Entfernung zu haben. Das Reservat bezeichneten sie als schönsten Ort Paraguays...
Wir kamen gegen Mittag an und nach der Nacht mit wenig Schlaf hatte niemand so richtig Lust auf einen der Rundkurse, viel verlockender war zu dem Zeitpunkt der See! Wir nahmen also unsere Badesachen und genossen es, mitten in der Natur baden zu können, ringsherum war nur Regenwald!
Auf einmal kam dann aber eine Kuhherde vorbeigelaufen um am See zu trinken, danach dann auch noch Pferde. Wir waren im ersten Moment überrascht, brachten dann aber unsere Sachen in Sicherheit und konnten den Tieren erstaunlich nahe kommen, sodass wir durch die Pferde hindurch wieder nach Hause gegangen sind. Die Tiere gehören dem schweizer Eherpaar aber haben natürlich einen riesigen Freiraum.
Am nächsten Morgen stand dann die erste Wanderung durch den Regenwald auf dem Programm. Wir liessen uns eine Karte geben und marschierten am See vorbei auf die Strecke. Dachten wir. Wir verliefen uns und gelangten auf eine "Strasse", die aus dem Regenwald hinausführt. Angesichts dieses Ausblicks hielt sich der Frust aber in Grenzen. Es war ein richtig gutes Gefühl, raus aus der stickigen Grossstadt Asunción zu kommen. Da merkt man erst, wie sehr einem die Natur fehlt...
Wir genossen also auch die falsche Tour und waren dann auch zum Mittag wieder zurück. Das Essen darf ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen! Ich dachte, wenn ich einen Regenwaldurlaub mache, esse ich nicht so viel, sondern nur das Nötigste...falsch gedacht. Leider war das Essen so lecker, dass es jedes Mal zu einem richtigen Exzess wurde!
Das weitere Wochenende verlief fast identisch, wir machten eine der viel Touren durch den Regenwald, badeten im See, haben uns das Museum angeguckt und einigen spannenden Geschichten zugehört.
Montag Morgen um 3 Uhr ging es dann wieder ab auf die Ladefläche zur Bushaltestelle. Wir fuhren diesmal allerdings nur bis zu den Jesuiten-Ruinen, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Paraguays. Ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht den Geschichtslehrer spielen, deswegen nur so viel: Die Jesuiten waren Europäer, die die Indigenen missionierten und gleichzeitig neue Bautechniken etc. lehrten (weiteres unter www.wikipedia.de).
Danach fuhren wir Montag Mittag im heissen Bus zurück nach Asunción, wo mich am Dienstag ein Ausflug mit den Kindern erwartete, der die Ferien einläutete! Wir sind in ein "Freibad" gefahren, zwei etwas grösser geratetene Pools mit schmutzigem Wasser, aber das hat die Kinder nicht im geringsten gestört. Ich habe auch noch Benji mitgenommen, meinen kleinsten Gastbruder, der sich auch prächtig amüsiert hat.
Montag und Dienstag waren auch die beiden heissesten Tage, seitdem ich hier bin: über 40 Grad und ich konnte selbst bei Ventilator auf Maximum nachts nicht schlafen, weil es zu warm war. Tolle Voraussichten für den Sommer...ich will ab jetzt keine Sprüche mehr hören wie "Geniess die Sonne dort drüben" ok? ;-) Wünsche mir schon den Winter zurück manchmal...
Aber zurück zum Wesentlichen - ich habe Ferien! Die habe ich echt gebraucht, ich kann mich bis auf eine Ausnahme ausschlafen. Am ersten Urlaubstag hat meine Gastmutter morgens um 10 Uhr die Sicherung herausgenommen, weil mein Gastbruder aufstehen sollte...nicht witzig.
Ausserdem habe ich jetzt Zeit, Leute zu treffen und ins Zentrum zu gehen. Ausserdem möchte ich mir noch ein Fahrrad leihen um die Städte ausserhalb Asuncións zu erkunden. Hoffentlich bleibt das nicht eine der paraguayischen Ideen, die am Ende nicht umgesetzt werden.
Gestern war hier Feiertag, Fest der Jungfrau von Caacupé (eine Stadt in der Nähe von Asunción), zu dem tausende von Paraguayern pilgern. Einem Indigenen, der die Bevölkerung geheilt hat, erschien die Jungfrau Maria in Caacupé. Die meisten nehmen den Bus bis in eine Stadt ca. 10 km entfernt von Caacupé, nicht jedoch Jonas (deutscher Freiwilliger, ein typischer Bayer) und ich...wir marschierten von seinem Haus in Asunción los, knappe 60 km. Gegen 19 Uhr am Mittwoch starteten wir unsere Tour mit den Worten "falta poco" (wörtlich übersetzt: "es fehlt wenig"). Während der nächsten 16 Stunden war dies der am häufigsten gebrauchte Satz...
Für mich hatte das Pilgern keinen religiösen Hintergrund, vielmehr stand das kulturelle im Vordergrund. So nahmen wir jede Möglichkeit mit, neue Leute kennenzulernen. Einige kannten AFS, andere waren erstaunt, Ausländer anzutreffen, wieder andere luden uns zum Tanzen auf der Strasse ein, fast alle jedoch hatten Respekt vor der Tatsache, dass wir aus Asunción losgelaufen sind. Dementsprechend hoch war auch der Preis...wir sind abends gestartet und den Grossteil nachts gelaufen, was kein grosses Problem darstellte. Die letzten 5 Stunden sind wir dann aber in der Sonne gelaufen, wo ich dann doch eine Pause brauchte um Flüssigkeit und Zucker aufzunehmen. Bis dahin hatten wir immer nur kleine Pausen gemacht...
Gut gestärkt machten wir uns dann auf zum Endspurt! Moralisch ein bisschen frustrierend war für mich, dass keiner der Polizisten, die an der Strasse alle 50 m postiert waren,  wusste, wie weit es noch ist...Naiv wie ich bin, frage ich die Paraguayer nämlich noch solche Sachen, auch wenn ich nie eine korrekte Antwort bekomme. Also hiess es weiter "falta poco"...
Angekommen zu sein an der Kirche in Caacupé war dann ein unbeschreibliches Gefühl, endlich geschafft!
Daraufhin haben wir uns gleich in ein Restaurant gesetzt, unsere Termo mit Wasser und Eis aufgefüllt uns einfach den Moment genossen. Irgendwie kamen wir dann mit den Tischnachbarn ins Gespräch ("Was, ihr seid von Asunción aus gelaufen?!") und dann stellte sich heraus, dass die Frau bis letztes Jahr bei AFS Paraguay gearbeitet hat und bot uns daraufhin an, uns nach Hause zu nehmen. Aufgrund der überladenen Busse, aus denen sich die Leute teilweise herauslehnen mussten, nahmen wir das natürlich dankend an! Alle, denen wir das erzählt haben, meinten, das wäre die Belohnung der Jungfrau von Caacupé für unsere lange Reise...

Zuhause angekommen, war der Weihnachtsbaum schon geschmückt! Ich hatte Benji versprochen, am Nachmittag nicht zu schlafen, sondern mit ihm den Weihnachtsbaum zu schmücken...glücklicherweise kam ich erst um 4 an, deswegen hatte sich das schonmal erledigt. Er war zwar nicht davon begeistert, dass ich mich schlafen lege, aber nachdem ich gegessen und geduscht hatte, konnte ich meinen Willen dann zum Glück doch durchsetzen und habe bis heute Morgen um 9 Uhr geschlafen. Trotz der Anstrengung ein Erlebnis, das man sein Leben lang nicht vergessen wird. Sowohl aufgrund der Anstrengung als auch aufgrund der Menschenmassen, die einen überall herzlich begrüsst haben.
Jetzt bin ich gerade am generieren für den Triathlon morgen, bei dem wir als Staffel mitmachen. Mein Gastbruder Alex schwimmt, Jonas fährt Rad und ich laufe. Mal sehen, wie fit ich morgen bin...
Trotz Weihnachtsbaum kommt hier bislang noch überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf.Bei teilweise 40 Grad fehlt da irgendetwas, auch wenn die Shoppingzentren voll mit Lichterketten sind. Weihnachten kommt also dieses Jahr noch überraschender, als es das für mich in Deutschland schon tut ;-)

2011-11-16

Brasilien, David Guetta, Black Eyed Peas...

Nach längerer Zeit nun ein etwas ausführlicherer Bericht (keine Sorge, mit Bildern!), ich hab viel erlebt...
Zuerst zum Brasilienurlaub, wie schon gesagt haben wir zuerst 1 1/2 Tage in Sao Paulo verbracht, was im Nachhinein auch echt genug war...Sao Paulo ist das grösste Ballungszentrum Lateinamerikas und nicht unbedingt eine Toursitenstadt, wir haben uns also die Sehenswürdigkeiten angeguckt und dabei ist es dann auch geblieben. Am letzten Tag waren wir in einem Lateinamerikamuseum, das war noch am interessantesten.
Sonntagmorgen haben wir uns auf die 6-stündige Busfahrt nach Rio de Janeiro aufgemacht. Wie erwartet, war es um einiges besser als Sao Paulo, auch wenn das erste Erlebnis die Stimmung erstmal getrübt hat. Kaum sind wir aus dem Busterminal raus, wurden wir von einem Schwarzen verfolgt, der uns auf portugiesisch angeredet hat und dann Darios Plastiktüte haben wollte. Da wir auch nicht genau wussten, wie wir zum Hostel kommen, war die Stimmung entsprechend angespannt. Im Endeffekt ist aber nichts passiert und als wir nachmittags am Strand waren, war alles vergessen. Wir haben Rio im Schnelldurchlauf gemacht, 2 1/2 Tage reichen gerade so um das wichtigste zu sehen. Am Montag sind wir dann auf den Zuckerhut gefahren und nachmittags nach Copacabana an den Strand. Dienstag war die Christusstatue und eine ehemalige Favela dran, bevor wir dann am Mittwoch auch schon wieder zurückgefahren sind.
Insgesamt sind wir bei der Woche Brasilien finanziell echt gut weggekommen, man kann da viel Geld lassen, aber auch mehr Zeit verbringen..;-) Da wir die grossen Strecken mit dem Bus zurückgelegt haben und in Hostels gewohnt haben, hielt sich das ganze noch im Rahmen.
Fazit des Urlaubs: Interessant, Sao Paulo mal gesehen zu haben, und: In Rio (vor allem an den Stränden) lässt es sich länger aushalten. Und wir haben neue Leute aus Brasilien, Kolumbien und Peru kennengelernt.
Als ich dann wieder daheim in Asunción war, hab ich beim Nike Run mitgemacht. Ich fass mich kurz: Der Lauf an sich war echt gut, sportlich gesehen aber nicht so...Ich wollte immer mal wieder anfangen zu trainieren, aber irgendwie komme ich nicht so oft zum Sport machen. Ich geh jetzt ab und zu mal laufen, wohne ca. 2 km von der Nationalen Sportschule entfernt, die allerdings auch nicht viel mehr als eine Leichtathletikanlage mit Tribüne ist.
Danach ging dann meine Arbeit weiter. Ich arbeite jetzt nur noch ab und zu mit dem Mädchen, von dem ich schon berichtet habe (wenn sie denn da ist), ausserdem haben wir einige Projekte für die Kinder gemacht. Angefangen haben wir mit Astronomie, die Planeten spielerisch erklärt. Danach ist Sara (die Freiwillige aus der Türkei) abgereist, zurück nach Schweden um ihren Master zu beenden. Jetzt ist Clara aus Belgien noch in unserem Projekt, allerdings nur nachmittags. Mit der habe ich dann das Geographieprojekt gemacht, bei dem wir die Weltkarte unter die Lupe genommen haben und etwas über unsere Länder erzählt haben. Ausserdem habe ich jetzt angefangen, zweimal die Woche Englischunterricht zu geben. Ich werde sogar von einigen schon mit "Hello, teacher!" begrüsst, muss aber mal sehen, inwieweit ich die Kinder erreiche. Es sind nämlich Kinder zwischen 6 und 15 Jahren bei dem Englischunterricht dabei, was das ganze auch leicht mal zu einem Chaos werden lässt. Im Feburar bekomme ich aber endlich männliche Unterstützung aus Hamburg! Sonst ist die Arbeit weiterhin anstrengend aber macht mir auch immer mehr Spass, weil die Beziehung zu den Kindern immer besser wird. Zur Zeit betreue ich immer die kleinsten Kinder, die noch keine Hausaufgaben machen. Ist zwar auch echt cool, aber mir macht es mehr Spass Wissen zu vermitteln. Ich arbeite aber nur noch bis zum 2. Dezember und dann habe ich erstmal einen Monat Urlaub!


Dann war endlich Zeit der Konzerte! Am Donnerstag war David Guetta hier. Um euch ein bisschen neidisch zu machen: 18 € für Eintritt und Freibier...Ich fands echt verdammt gut und wir haben bis in den frühen morgen gefeiert. Danach bin ich zu einem anderen Deutschen nach Hause, hab meine Sachen geholt und dann auf den Markt gefahren um mich noch für eine Stunde hinzulegen, bevor ich dann von meiner Kollegin geweckt wurde. Wie der Tag dann verlief können sich die meisten von euch ja vorstellen...abends bin ich mit Nico ins Stadion gegangen, Paraguay-Ecuador. Es war jetzt nicht DAS Fussballspiel, aber die Stimmung war gut...Nico und ich sassen direkt zwischen den Anhängern der beiden verfeindeten Clubs, wo die Stimmung natürlich am besten zu spüren war. Egal ob Nationalmannschaft oder Liga, die Klubzugehörigkeit ist hier eine Lebenseinstellung. Das Spiel ging übrigens 2:1 für Paraguay aus. Was auch sehr interessant war: Beim Stand von 2:0 wurden Argentinien-Hassgesänge angestimmt und die lieben Nachbarn wurden als Schweinehäute bezeichnet...
Das Wochenende war dann aber etwas ruhiger, am Sonntag habe ich sogar gar nichts gemacht, da hats ja geregnet...dann steht hier nämlich die Welt still.
Gestern (Dienstag) waren dann die Black Eyed Peas hier. Lange wurden sie angekündigt, überall wurde Werbung gemacht in Asunciòn. Gegen 20 Uhr gins also los, zuerst eine Vorband, die sich zum Glück relativ schnell wieder verabschiedet hat. Danach dann Public Viewing: Paraguay - Chile. Paraguay hat zwar 0:2 verloren, das hat aber keinen mehr interessiert, als das Konzert losging. Es war echt eine verdammt geile Show, das muss erstmal getoppt werden!

Wie man auf dem letzten Bild vielleicht erkennen kann, ist mein Auge etwas entzündet. Dazu auch eine kleine Geschichte: Der erste Arzt hat mir nach einem rund 4 Sekunden dauernden prüfenden Blick eine Creme verschrieben, nachdem es sich aber nich gebessert hat, wurde ich zum nächsten geschickt. Der hat mir dann eine andere Creme und ein Antibiotikum verschrieben, als das auch nicht geholfen hat, wurde ich zum Augenarzt geschickt. Die hat mir dann ein stärkeres Antibiotikum verschrieben...Da sie jetzt im Urlaub ist, geh ich Montag nochmal hin...das letzte Mal meinte sie, eventuell würde sie dann operieren. Ob ich das machen lassen will weiss ich aber noch nicht...

So, das ganze klingt ziemlich nach Urlaub und Party, aber so entspannt ist es dann leider auch nicht. Ich hab hier eine Familie an die ich mich anpassen muss und eine Arbeit, die mal so überhaupt nicht "paraguayo" ist, sondern eher deutsch...Allerdings sind solche Events Sachen, auf die man hinfiebert und somit immer etwas vor Augen hat, auch wenn es mal nicht so gut läuft.
Wenn ich schon beim Thema bin, Ende Novemer geht es für ein Wochenende nach Encarnacion in den Süden Paraguays mit anderen AFS-Freiwilligen. Im Dezember möchte ich ein paar Tagesausflüge  machen um ein bisschen aus Asunciòn rauszukommen und etwas von Paraguay zu sehen. Weihnachten werde ich in Asunciòn verbringen und zwischen Weihnachten und Neujahr fahren wir nach Buenos Aires, da meine Gastmutter Argentinierin ist und dort Familie hat. Die Möglichkeit werde ich natürtlich nutzen um Lucas zu besuchen. Etwas schade finde ich, dass ich meinen Geburtstag in Buenos Aires feiern werde und nicht hier mit den Leuten, die ich kennengelernt habe...
Noch eine Sache: Ich komme höchstwahrscheinlich etwas später zurück als ursprünglich geplant, da mein Gastbruder Mark am 21. Juli heiraten wird. Das ist denke ich ein ganz guter Abschluss meines Jahres hier.

2011-10-19

Urlaub in Brasilien!

Nachdem es länger nichts mehr zu hören gab von mir, nun der neustes Stand:
Ich fahre morgen mit einem anderen Deutschen, der Freiwilligen aus meinem Projekt (Türkei) und meiner Chefin von der Hausbauaktion (Paraguay) nach Brasilien. Wir fahren morgen früh mit dem Bus los, rund 24 Stunden bis nach Sao Paolo. Da bleiben wir bis Sonntag und fahren dann weiter nach Rio de Janeiro und bleiben dort bis Mittwoch, bevor wir wieder rund 26 Stunden zurück nach Asunciòn fahren.
Das ganze war ziemlich kurzfristig gebucht, was das angeht bin ich hier in Paraguay schon voll angekommen. Heute haben wir nämlich das letzte Hostel gebucht, es kann also losgehen.
Sondst gibt es nicht viel Neues zu berichten, es ist Alltag eingekehrt und die Wochenenden waren eher "tranquilo". Ich hab noch bei einer Aktion zur Erinnerung an die Armut mitgemacht, bei der wir unter freiem Himmel geschlafen haben. War aber nicht so spannend, langweilige Vorträge und es waren wenige Leute da, weil Regen angesagt wurde...
Wenn ich wiederkomme, werde ich beim Nike Run mitmachen, da ich hier allerdings nicht viel Sport mache, sind meine Ambitionen doch eher gering.
Danach kommen David Guetta und die Black Eyed Peas nach Asunción, was ich mir natürlich nicht entgehen lasse!
Beste Grüsse,
Alex

Achja, ich hab jetzt kurze Haare :-P

2011-10-02

Prägendes Wochenende und Baden mit den Kids

Nachdem ich mich jetzt auch mal ausgeschlafen habe, kann ich auch endlich von meinem "Un techo para mi país"-Wochenende berichten.
Es ging Freitagabend los, wir haben uns mit allen Freiwilligen auf dem Militär-Sportgelände getroffen und wurden dort in unsere Viertel und Kleingruppen eingeteilt. Ich war mit ca. 30 anderen Freiwilligen in Limpio, da sind wir dann abends auch noch hingefahren. Leider sind wir erst nach 0:00 Uhr dort angekommen und haben dann noch so eine Art Motivationsrede gehört, bevor es um 2 ins "Bett" ging. Ich hatte ein Kissen dabei und hab mir von meiner Direktorin einen Schlafsack geliehen, der mir leider nur bis knapp über die Hüfte ging. Ohne Matratze hab ich auf dem Boden geschlafen, und trotz dieser Bedingungen hat am nächsten Morgen keiner getrödelt, als wir um kurz nach 6 geweckt wurden. Diese Motivation hat sich auch durch das ganze Wochenende durchgezogen.
Wir sind dann also mit unseren Werkzeugen zu den Familien gelaufen, für die wir die Häuser bauen sollten. Am Anfang war ich schon ganz schön geschockt, in welchen Verhältnissen die Familien dort leben. In meiner Gruppe waren wir zu viert, aber wurden auch die meiste Zeit von dem Vater und dem Bruder der neuen Besitzerin unterstützt. So haben wir dann Samstag den ganzen Tag an dem Haus gebaut und zwischendurch mit der Familie gegessen. Die Arbeit hat echt Spass gemacht und es gab bei niemandem einen Hänger zwischendurch, für uns war die Anwesenheit der neuen Familie mit den Kindern Motivation genug.
Samstagabend haben wir dann noch in der Schule, in der wir übernachtet haben, zusammengesessen und jeden Kleingruppe hat so eine Art Sketch aufgeführt. War alles recht locker, aber am nächsten Morgen kamen die meisten (mir inklusive) dann doch nich ganz so schnell aus dem "Bett". Als wir aber wieder vor dem angefangenen Haus standen, war die Motivation wieder da und gegen 19:00 war das Haus dann fertig. Es ist ein relativ einfaches Holzhaus mit zwei Fenstern und nur einem Raum, aber im Vergleich zu den vorherigen Häusern auf jeden Fall eine Steigerung.
Zum Schluss wurde das Haus dann noch für die Einweihnung geschmückt. Als die Familie dann das Haus betreten hat, die Kinder drinnen gespielt haben und die Mutter von der neuen Besitzerin Tränen im Auge hatte und gesagt hat, wir sollen auf jeden Fall weitermachen, weil so viele Familien das brauchen, war das schon echt ein bewegender Moment.
Wir haben im Nachhinein noch mit den Deutschen darüber diskutiert inwiefern diese Art der Hilfe sinnvoll ist, aber ich sehe das so wie die meisten Paraguayer mit denen ich gesprochen habe, nämlich dass das nur der erste Schritt ist, aber als solcher sehr sinnvoll ist.
So kam ich dann also Sonntag gegen Mitternacht nach Hause und bin die Woche mit einem ganz schönen Schlafmangel angegangen. Am Dienstagabend war ich dann auch noch mit Tanias Familie im Kino, da der Besitzer von BMW Paraguay eingeladen hat. Der Film war im Endeffekt ein Witz, so gut wie keine Handlung und wenns da eine Kernaussage gab, hat sie keiner verstanden...
Eigentlich alles kein Problem, da hier am Donnerstag Feiertag war an dem man sich ja hätte ausschlafen können. Da meine Direktorin aber Deutsche ist, arbeitet man als richtiger Deutscher natürlich. Wir haben mit den Kindern einen Ausflug zu einem See gemacht und sind dort baden gegangen. Bis auf die Tatsache, dass sich 5-6 Kids auf der Busfahrt dahin übergeben mussten, war der Tag echt gelungen. Die Kinder hatten viel Spass und es war schwer sie wieder in den Bus zu bekommen.
Donnerstagabend ging es dann noch in die Disco, eine Party für die "Un techo para mi país". Am Freitag hatte ich dementsprechend kleine Augen bei der Arbeit, sodass ich ganz froh war, am Samstag mal wieder bis Mittag schlafen konnte.
Das Oktoberfest gestern ist leider wegen Regen ausgefallen...Wenn´s hier regnet, dann richtig. Gestern morgen war hier fast Weltuntergang und im Garten ist ein Baum entwurzelt worden, weshalb dann auch noch Gartenarbeit anstand.
Und noch eine Neuigkeit, am 15. November kommen die Black Eyed Peas nach Asunción!
Euer Alex

2011-09-21

Krieg

So, Zeit mal wieder etwas von mir hören zu lassen.
Bei mir ist jetzt (fast) Alltag eingekehrt, ich arbeite bis um 16 Uhr und bin so gegen 17 Uhr zuhause. Danach wartet Benji meistens auf mich oder ich gehe laufen. Eigentlich wollte ich ja die Volleyballmannschaft von Alex trainieren (die Schule ist auf der anderen Strassenseite) aber irgendwie ist das noch nichts geworden. Ich habe schon ein paar mal angefragt, die Leute finden dass auch gut, dass ich das machen will...Aber wenn es konkret wird, heisst es immer "morgen" oder "nächste Woche". Paraguay...
Am Wochenende gabs hier das erste Mal "Krieg" zuhause. Mein Zimmer (Nico und ich) gegen Alex und Benji. Als Nico und ich nach Hause gekommen sind, hat Nico Alex und Benji Zahnpasta ins Gesicht geschmiert. Am nächsten Morgen hatte ich Zahnpasta auf dem Rücken und in meinen Sportschuhen...seitdem denk ich noch über eine geeignete Rache für Benji nach (immer her mit den Tipps! ;-)).
Aber nun zu dem Wesentlichen, da ich immer über meine Arbeit ausgefragt werden, stelle ich sie hier noch einmal ausführlich vor.

Ich arbeite in einem Kinderhort in einer Markthalle für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen. Die Kinder gehen entweder vormittags oder nachmittags zur Schule und kommen in ihrer freien Zeit zu uns. Unser Schwerpunkt liegt auf der Hausaufgabenbetreuung, in der Vormittagsgruppe habe ich bislang immer mit einem 7-jährigen Mädchen gearbeitet, dass nicht lesen und rechnen kann. Es ist anstrengende Arbeit, weil sie sich selten (fast nie) konzentriert und meistens rät, wie denn der Buchstabe oder die Zahl heisst. Bislang sind eher wenig Fortschritte zu sehen, aber ich habe auch gerade erst angefangen. Ich finde es aber gut, dass ich etwas zu tun habe und merke, dass ich gebraucht werde.
Unser normaler Tagesablauf sieht so aus, dass wir Saft und Sandwhiches oder andere Snacks für die Kinder zubereiten. Nach der Begrüssungsrunde werden diese dann verteilt, danach geht es mit den Hausaufgaben los. Das dauert so ca. eine Stunde, danach geht es dann noch für eine Stunde nach draussen, zum Fussballspielen oder im Park rumtoben. Manchmal steht auch Gartenarbeit für die Kindern an, den jeder hat draussen seine eigene Pflanze in einem alten Autoreifen, die er pflegen muss.
In den zwei Stunden Mittagspause gehen wir dann in den Supermarkt einkaufen und machen uns etwas zu essen. Meistens reicht die Zeit danach nur für 15 min Siesta, bevor das ganze wieder von vorne anfängt.
Im Moment wird gerade der Boden ausgewechselt, deswegen besteht meine Arbeit zur Zeit darin, die Möbel umzuräumen oder draussen den Park zu streichen. Die Kinder kommen wohl erst gegen Ende der Woche wieder.
An einem normalen Arbeitstag spreche ich Spanisch, Englisch ( mit der Freiwilligen aus der Türkei) und Deutsch (die Direktorin ist Deutsche ). Es stört mich ein bisschen, dass ich mich nicht voll auf Spanisch konzentrieren kann, aber oft bin ich auch einfach zu faul, mit der Direktorin Spanisch zu sprechen.
Bislang fühle ich mich echt wohl bei der Arbeit. Meine Kollegen sind auch cool drauf, mit Gustavo war ich z.B. schon auf dem Markt und Laufen.
Für das Wochenende habe ich mich als Freiwilliger für "Un techo para mi pais" ( "Ein Dach für mein Land") angemeldet, bei dem die Freiwilligen in Gruppen von 5 Leuten Häuser für Bedürftige bauen. Ich bin dann von Freitag bis Sonntag unterwegs, schlaf bei der Familie, für die ich das Haus baue und bekomme da auch zu essen ( wir haben vorher bezahlt, damit dafür eingekauft werden kann). Nico hat das auch schonmal gemacht und hat gesagt, es war sehr anstrengend, es gab wenig zu essen und man lernt echt mal kennen, was Armut ist...
Ich bin echt gespannt und melde mich, wie es war!
Alex