2012-07-16

Die letzten Wochen in Paraguay!

Meine letzte Reise: eine Woche bei Indigenen leben! Ermöglicht hat es uns Georg, der  dort schon einen Monat gelebt hatte. Im Vorfeld sammelten wir Geld durch Spenden und T-Shirt-Verkauf. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an diejenigen, die sich beteiligt haben! Mit Baumaterial, Schulbüchern und einem Kanu im Gepäck war schon die Anreise ein Abenteuer. Acht Stunden waren wir unterwegs auf einem Boot, das eher einem Markt als einem Fortbewegungsmittel ähnelt.




In der Comunidad selbst wurden wir erstmal mit Abstand betrachtet, was sich aber zum Glück nach ein/zwei Tagen gelegt hat. Wir verbrachten viel Zeit mit den Kindern, spielten Volleyball, badeten im Fluss oder wurden abends mit Fröschen beworfen… Geschlafen haben wir in dem Haus des Häuptlings in Zelten. Das Land, auf dem die Comunidad heute lebt, war früher eine Farm, der Häuptling wohnt in dem Haupthaus und der Rest in selbstgebauten Hütten. Am Anfang war es etwas schwierig, sich auf die neue Zeit einzustimmt, da die Indigenen sich mit dem Untergang der Sonne hinlegen und zum Sonnenaufgang aufstehen. Anders kann man die Zeit ohne Elektrizität nicht effektiv nutzen.
Am Anfang war ich etwas überrascht, da ich mir etwas noch extremeres unter einer Comunidad Indigena vorgestellt habe. Mein erster Eindruck: Im Haus hingen Bilder von nackten Frauen und die Jugendlichen hören auf  Handys Reggeaton (Musikrichtung). Kurze Erklärung: Georgs NGO hat der Comunidad eine Solarbatterie geschenkt, mit der sie Handys aufladen können.
Unser Plan war eigentlich, bei dem Bau der Schule und der Feldarbeit zu helfen. Leider hatte Georgs Arbeit gerade eine zwei Tage lange Sitzung mit den Dorfältesten um über die Zukunft der Comunidad zu verhandeln. Die NGO arbeitet als Vermittler zwischen Indigenen und Regierung. Die Indigenen wurden von ihrem ursprünglichen Land vertrieben und im Gegenzug zahlt die paraguayische Regierung Entschädigungen in Höhe von 500.000 $ in Form von Essen, Vieh und Werkzeug.
Aufgrund dieser Sitzung gab es leider niemanden, der uns in die Arbeit eingewiesen und geholfen hätte. Daher haben wir einen Vormittag bei der Feldarbeit geholfen, die bei den Indigenen Frauenarbeit ist. Den Rest der Zeit haben wir, wie man hier so schön sagt, “miteinander geteilt”, was hier so viel wie Terere-Trinken und Erzählen bedeutet. Die Sprache (die Indigenen sprechen Guaraní) war auch kein grosses Problem, da der Häuptling und seine Frau auch Spanisch sprechen und wir ein para Brocken Guaraní können. Gross war die Freude dann, als das Kanu ankam, das Georg in Concepcion bestellt hatte. Das ganze Dorf stand am Flussufer und nahm es freudig entgegen. Leider haben die Indigenen nicht die Angewohnheit “Danke” zu sagen und so kam für das Kanu nichtmal ein Danke. Und auch sonst bekamen wir unter der Woche in gebrochenem Spanisch nur “du musst das und das kaufen” oder “du musst das und das schenken” zu hören. Von Georgs Erfahrungen waren wir schon vorgewarnt, der Höhepunkt war aber die Abreise:
Nachdem wir Kanu, Schulbücher, Kleidung dagelassen haben und dafür grossen Aufwand betrieben hatten, sollten wir doch unsere Sombreros auch dalassen. Als wir gesagt haben, wir würden die gerne mit nach Deutschland nehmen, hiess es daraufhin, wir wären schlechte Menschen, wenn wir sie ihnen nicht schenken würden… Das hat einige von uns schon echt hart getroffen, da wir viel Arbeit in diese Reise gesteckt haben. So hatte die Reise für mich am Ende aber doch noch das erhoffte Extrem und wir sind mit vielen neuen Erfahrungen zurück nach Asunción gefahren.
Wieder in Asunción ging der Stress wieder los: Meine letzten Arbeitstage, Abschiede am Flughafen von Clara und Birgit (Belgierinnen) und eine Woche später von Dario und Laura (Deutsche).
Durch meine Kontakte zu der Tante von der Freundin meines ältesten Gastbruders habe ich den Kindern noch einen Ausflug zum Fernsehen ermöglicht! Sie ist eine in ganz Paraguay bekannte Fernsehmoderatorin und ich habe ab und zu mit ihr Volleyball gespielt. So kam es dann, dass wir mit den Kids durch das Fernsehstudio geführt wurden und gerade zu der Zeit da waren, als meine Bekannte auf Sendung war! Die Kinder waren echt begeistert und wir kamen sogar noch zu unserem Auftritt! Kurz vor dem Werbeblock kamen wir ins Bild und sollten alle einmal winken, da sagt der andere Moderator: “Guckt mal, da ist einer der ist 2m gross!” - Grossaufnahme des Gesichts von Julian! (mein deutscher Arbeitskollege).
Am Freitag,  meinem letzten Arbeitstag, wurde mir  ein wirklich schöner Abschied bereitet! Auch, wenn wir anstatt der Versammlung morgens Bücher putzen sollten…Zum Mittag gab es dann mein Lieblingsessen (Schnitzel mit Käse und Tomatensosse überbacken) in der grossen Runde mit Chefin und Arbeitskollegen. Zum Abschied hat mir meine Chefin ein typisch paraguayischen Wollhemd geschenkt. Mit den Kindern die nachmittags kamen, haben wir unsere Begrüssungsrunde gemacht und jeder von Kindern und Kollegen hat mir noch ein paar nette Worte mit auf den Weg gegeben. Danach haben alle noch auf meinem T-Shirt von der Fundación unterschrieben ( komischerweise ist oft der Name Balotelli zu lesen…) und zu Liedern getanzt, die in diesem Jahr bei uns im Hort Kult geworden sind.
Am Montag fing dann sofort mein Praktikum bei meinem Gastonkel in Aregua auf dem Land an. Der ist Besitzer einer Ketchup-Fabrik, in der ich die Leistungsfähigkeit der Maschinen auswerte. Ich sitze hier also seit Montag an Excel, aber es macht mir trotzdem Spass. Es tut immer wieder gut, aus Asunción rauszukommen. Das Praktikum werde ich noch eine Woche machen, bis nächsten Freitag. In der Woche danach kommt dann auch schon der Rest meiner Gastfamilie aus Buenos Aires, da mein Gastbruder am Samstag danach heiratet.
Thema EM: Ich konnte das erste Spiel nicht sehen, weil ich auf einem AFS-Camp war, das zweite nicht, weil ich bei den Indigenen war, das dritte nicht weil Vatertag war und meine Familie aufs Land gefahren ist…Erst vom Griechenland-Spiel konnte ich die Schlussphase nach der Arbeit sehen. Und für das Italien-Spiel habe ich mir von einem unserer Kinder einen Fernseher ausgeliehen und während der Arbeit mit Deutschlandtrikot und –schal das Spiel verfolgt. Das Ergebnis ist bekannt und den Spott der Kinder könnt ihr euch vorstellen…
Zu allem Überfluss wurde ich auch noch aus meinen Zimmer geschmissen! Ein befreundeter Spanischer Priester wohnt jetzt auch bei uns, ich schlafe daher mit Alex und Benji in einem Zimmer. Und ab Donnerstag, so wurde es angekündigt, schlafen wir Jungs im Wohnzimmer auf Matratzen
Es ging alles ganz schön schnell am Ende, jetzt sind schon vier gute Freunde weg. Vorgestern habe ich mich von den Volleyballern verabschiedet. Morgen lade ich meine Arbeitskollegen zu mir zum Asado ein. Ich bin aber froh, dass die Hochzeit mir die Möglichkeit gibt, mich von der gesamten Familie zu verabschieden. Das heisst, von dem Teil, den ich im Januar in Argentinien kennengelernt habe und auch von dem Teil, bei dem ich mein Praktikum gemacht habe.
Ich geniesse die letzte Woche hier in Paraguay und freue mich auch schon auf Deutschland!

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