2012-03-22

Also doch Volleyball...

Natuerlich Turnier...
Und es hat sich auch gelohnt! Zwar hat sich die monatelange Zeit ohne Training in Kombination mit der erschlagenden Hitze nicht gut gemacht, in einem recht undurchsichtigen Spielsystem habe ich aber mit meinem Partner das U-20-Turnier gewonnen! Es wurde nach dem System jeder gegen jeden gespielt, wobei wir gegen den Spaeteren Zweiten verloren haben. Dadurch, dass wir verloren haben, mussten wir im Finale einen Satz mehr gewinnen. Sprich ein 2:1 hat nicht gereicht, sondern wir durften dann bei 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit auch noch einen 4. Satz spielen, den wir gewannen und damit das Spiel mit 3:1 gewonnen haben...dementsprechend zufrieden habe ich mir danach den Super-Bowl mit einem Hefeweizen angeschaut.
Das spielerische Niveau ist hier natuerlich nicht so hoch wie in Deutschland, aber andere Sachen, wie zum Beispiel bezahlte Schiedsrichter und ein Spielsystem, das wohl einmalig ist, haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Seitdem habe ich auch drei mal pro Woche trainiert, was allerdings nur moeglich war, weil meine Arbeit etwas zurueckgegangen ist. Bei uns in der Markthalle wurde jetzt ein zweiter Stock eingebaut! Dort wird demnaechst ein Buero, ein Abstellraum und wahrscheinlich auch eine PC-Ecke sein! Gerade wurde naemlich der dritte Antrag meiner Chefin bei der deutschen Botschaft auf Unterstuetzung angenommen! Das bedeutet umgerechnet ca. 8000 Euro, die wir in neue Moebel und Computer investieren werden. Dadurch wird sich so einiges aendern bei uns, denn bislang war die Philosophie stets, moeglichst ohne Geld viel zu schaffen.
Das bedeutete fuer uns Erzieher sehr viele Theorieeinheiten im Haus der Direktorin. Manchmal wurde es langweilig, allerdings habe ich auch etwas in der Hand: ein Zertifikat, mit dem ich andere Erzieher und auch Eltern in das International Child Development Program einweisen darf. Manchmal arbeiteten wird halbtags, sodass ich genug Zeit hatte, zum Beachvolleyball zu fahren. Das heisst naemlich fuer mich immer eine Stunde Busfahrt zur Rushhour ( ich glaube von den Bussen haben sich die meisten von Euch ein Bild gemacht) und dann noch rund 1000 m Laufen. Ich war also in der Regel schon komplett durchgeschwitzt als ich da war...
Als meine Beachvolleyballzeit seinen Hoehepunkt hatte, ruft mich eine Freundin von einem Freund vom Volleyball an: Ich solle doch in der Auswahl von Luque, einer Stadt ausserhalb von Asuncion, die sich selbst als "Republik Luque" bezeichnen....Seitdem habe ich dann teilweise erst Beach trainiert und bin danach noch in die Halle gegangen. Ein Hallenturnier habe ich dann auch mitgespielt, als Libero! In den ersten beiden Spielen waren alle ziemlich nervoes und wir sind eine zusammengewuerfelte Truppe, da hat es nicht so viel Spass gemacht. Die Begruessung vor dem ersten Spiel war schon sehr interessant, alle moeglichen Funktionaere waren da, Paraguayerinnen tanzten landestypische Taenze und die Nationalhymne wurde gespielt.
Das eigentliche Highlight des Turniers war das zweite Spiel! Um 19 Uhr sollte ich an dem vereinbarten Treffpunkt sein, ungewohnt deutsch war ich das dann auch... Um 19:40 werde ich dann abgeholt, mit dem "Bus"...Sonderfahrt in einem meiner geliebten Linienbusse! Einige Freunde von mir wollten sich das Spiel in Lambare auch angucken. So trafen sie sich vor dem Rathaus Lambares, damit Dario, der dort in der Naehe wohnt, sie fuehrt. Als ich erfahren habe, dass wir mit so einem grossen Bus kommen, haben wir die anderen natuerlich noch eingesammelt. Problem: der Busfahrer kannte den Weg nicht...also springt Dario ein und dirigiert den Busfahrer zum gewuenschten Ziel. Da wir ja wie erwaehnt schon spaet dran waren, haben wir uns dann im Bus schon umgezogen. Trotzem waren wir zu spaet...Ich war schon ueberrascht, dass die internationale Regel was den Spielbeginn betrifft auch hier in Paraguay gilt! Wir hatten eigentlich verloren, allerdings waren die Gegner so gut und wollten auch spielen, sodass wir dann auf dem Feld 0:2 verloren haben...
Das dritte Spiel haben wir dann auswaerts mit Fanunterstuetzung gegen den vermeintlichen Favoriten mit 2:0 gewonnen, danach war die Stimmung natuerlich top.

Ausserdem arbeitet jetzt Julian aus Hamburg bei mir, der im Februar nach Paraguay gekommen ist. Wir verstehen uns echt gut und sind beide sehr zufrieden mit unserem Projekt. Allein an die Tatsache, dass wir Theorieeinheiten machen, waere wohl in anderen Organisationen kaum zu denken. Dort werden teilweise sogar Kinder geschlagen.
Ich mache ausserdem jetzt mit dem Englischunterricht weiter, zwei mal die Woche jeweils eine halbe Stunde. Leider ist die Arbeit gerade in dieser Woche (Moebel ruecken, Kuehlschraenke tragen, Unkraut mit Machete "jaehten", etc.) besonders hart, sodass ich wenig Energie dafuer habe, in der Rushhour noch zum Volleyball zu fahren...

Ausserdem habe ich zwischendurch noch auf einer Schulsportveranstaltung Werbung fuer AFS gemacht. Das war aber nicht irgendeine Schulveranstaltung, sondern in der American School of Asuncion, die teuerste Schule des Landes. Ich war echt beeindruckt, wie sehr das vermarktet wird! Nivea, Nike, Handyanbieter, Einlasskontrollen, Kamera-Teams...fuer Kindersport. Dort haben wir Flyer von AFS verteilt und versucht AFS bekannt zu machen, mussten aber feststellen, dass AFS hier doch schon sehr present ist (zumindest in den hohen Kreisen).

Da mir das Werbung machen so viel Spass gemacht hab, habe ich auch noch Nivea vertreten. Die Mutter von Laura, einer anderen Deutschen, arbeitet in der Marketing-Abteilung von Nivea und suchte Freiwillige, die auf dem Konzert eines Synphonie-Orchesters, das Beatles-Songs gespielt hat, Proben verteilen. Laura und ich sind alle Proben losgeworden und durften danach das Konzert aus der ersten Reihe sehen.

In meiner Familie ist weiterhin alles top! Nicho hat sich verlobt, meine Gasteltern hatten Silberhochzeit...das Uebliche halt. Das ist damit schon die zweite Verlobung die ich hier miterlebe! Zur Hochzeit im naechsten Maerz wurde ich auch schon eingeladen, das kann aber schwierig werden denke ich...
Mit Alex rede ich im Moment viel ueber Deutschland, da er unbedingt ein Austauschjahr machen will. Dafuer braucht er aber laut seiner Mutter erst einmal bessere Noten...

Philip von der schwedischen Organisation Tamam, die uns unterstuetzt, hat Clara und mich angeschrieben und gebeten ein Kind zum Zahnarzt zu begleiten. Der Kleine hat starke Zahnschmerzen und Tamam bezahlt die Arztrechnung fuer ihn. Am Mittwoch wurde ihm ein Zahn gezogen und jetzt gehen wir morgen noch einmal zur Kariesbehandlung hin, die mindestens drei Mal stattfindet.

Von AFS habe ich auch eine Nachricht bekommen: Zwischen dem 24. und 26. Juli fliege ich wieder zurueck!