2012-07-16

Die letzten Wochen in Paraguay!

Meine letzte Reise: eine Woche bei Indigenen leben! Ermöglicht hat es uns Georg, der  dort schon einen Monat gelebt hatte. Im Vorfeld sammelten wir Geld durch Spenden und T-Shirt-Verkauf. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an diejenigen, die sich beteiligt haben! Mit Baumaterial, Schulbüchern und einem Kanu im Gepäck war schon die Anreise ein Abenteuer. Acht Stunden waren wir unterwegs auf einem Boot, das eher einem Markt als einem Fortbewegungsmittel ähnelt.




In der Comunidad selbst wurden wir erstmal mit Abstand betrachtet, was sich aber zum Glück nach ein/zwei Tagen gelegt hat. Wir verbrachten viel Zeit mit den Kindern, spielten Volleyball, badeten im Fluss oder wurden abends mit Fröschen beworfen… Geschlafen haben wir in dem Haus des Häuptlings in Zelten. Das Land, auf dem die Comunidad heute lebt, war früher eine Farm, der Häuptling wohnt in dem Haupthaus und der Rest in selbstgebauten Hütten. Am Anfang war es etwas schwierig, sich auf die neue Zeit einzustimmt, da die Indigenen sich mit dem Untergang der Sonne hinlegen und zum Sonnenaufgang aufstehen. Anders kann man die Zeit ohne Elektrizität nicht effektiv nutzen.
Am Anfang war ich etwas überrascht, da ich mir etwas noch extremeres unter einer Comunidad Indigena vorgestellt habe. Mein erster Eindruck: Im Haus hingen Bilder von nackten Frauen und die Jugendlichen hören auf  Handys Reggeaton (Musikrichtung). Kurze Erklärung: Georgs NGO hat der Comunidad eine Solarbatterie geschenkt, mit der sie Handys aufladen können.
Unser Plan war eigentlich, bei dem Bau der Schule und der Feldarbeit zu helfen. Leider hatte Georgs Arbeit gerade eine zwei Tage lange Sitzung mit den Dorfältesten um über die Zukunft der Comunidad zu verhandeln. Die NGO arbeitet als Vermittler zwischen Indigenen und Regierung. Die Indigenen wurden von ihrem ursprünglichen Land vertrieben und im Gegenzug zahlt die paraguayische Regierung Entschädigungen in Höhe von 500.000 $ in Form von Essen, Vieh und Werkzeug.
Aufgrund dieser Sitzung gab es leider niemanden, der uns in die Arbeit eingewiesen und geholfen hätte. Daher haben wir einen Vormittag bei der Feldarbeit geholfen, die bei den Indigenen Frauenarbeit ist. Den Rest der Zeit haben wir, wie man hier so schön sagt, “miteinander geteilt”, was hier so viel wie Terere-Trinken und Erzählen bedeutet. Die Sprache (die Indigenen sprechen Guaraní) war auch kein grosses Problem, da der Häuptling und seine Frau auch Spanisch sprechen und wir ein para Brocken Guaraní können. Gross war die Freude dann, als das Kanu ankam, das Georg in Concepcion bestellt hatte. Das ganze Dorf stand am Flussufer und nahm es freudig entgegen. Leider haben die Indigenen nicht die Angewohnheit “Danke” zu sagen und so kam für das Kanu nichtmal ein Danke. Und auch sonst bekamen wir unter der Woche in gebrochenem Spanisch nur “du musst das und das kaufen” oder “du musst das und das schenken” zu hören. Von Georgs Erfahrungen waren wir schon vorgewarnt, der Höhepunkt war aber die Abreise:
Nachdem wir Kanu, Schulbücher, Kleidung dagelassen haben und dafür grossen Aufwand betrieben hatten, sollten wir doch unsere Sombreros auch dalassen. Als wir gesagt haben, wir würden die gerne mit nach Deutschland nehmen, hiess es daraufhin, wir wären schlechte Menschen, wenn wir sie ihnen nicht schenken würden… Das hat einige von uns schon echt hart getroffen, da wir viel Arbeit in diese Reise gesteckt haben. So hatte die Reise für mich am Ende aber doch noch das erhoffte Extrem und wir sind mit vielen neuen Erfahrungen zurück nach Asunción gefahren.
Wieder in Asunción ging der Stress wieder los: Meine letzten Arbeitstage, Abschiede am Flughafen von Clara und Birgit (Belgierinnen) und eine Woche später von Dario und Laura (Deutsche).
Durch meine Kontakte zu der Tante von der Freundin meines ältesten Gastbruders habe ich den Kindern noch einen Ausflug zum Fernsehen ermöglicht! Sie ist eine in ganz Paraguay bekannte Fernsehmoderatorin und ich habe ab und zu mit ihr Volleyball gespielt. So kam es dann, dass wir mit den Kids durch das Fernsehstudio geführt wurden und gerade zu der Zeit da waren, als meine Bekannte auf Sendung war! Die Kinder waren echt begeistert und wir kamen sogar noch zu unserem Auftritt! Kurz vor dem Werbeblock kamen wir ins Bild und sollten alle einmal winken, da sagt der andere Moderator: “Guckt mal, da ist einer der ist 2m gross!” - Grossaufnahme des Gesichts von Julian! (mein deutscher Arbeitskollege).
Am Freitag,  meinem letzten Arbeitstag, wurde mir  ein wirklich schöner Abschied bereitet! Auch, wenn wir anstatt der Versammlung morgens Bücher putzen sollten…Zum Mittag gab es dann mein Lieblingsessen (Schnitzel mit Käse und Tomatensosse überbacken) in der grossen Runde mit Chefin und Arbeitskollegen. Zum Abschied hat mir meine Chefin ein typisch paraguayischen Wollhemd geschenkt. Mit den Kindern die nachmittags kamen, haben wir unsere Begrüssungsrunde gemacht und jeder von Kindern und Kollegen hat mir noch ein paar nette Worte mit auf den Weg gegeben. Danach haben alle noch auf meinem T-Shirt von der Fundación unterschrieben ( komischerweise ist oft der Name Balotelli zu lesen…) und zu Liedern getanzt, die in diesem Jahr bei uns im Hort Kult geworden sind.
Am Montag fing dann sofort mein Praktikum bei meinem Gastonkel in Aregua auf dem Land an. Der ist Besitzer einer Ketchup-Fabrik, in der ich die Leistungsfähigkeit der Maschinen auswerte. Ich sitze hier also seit Montag an Excel, aber es macht mir trotzdem Spass. Es tut immer wieder gut, aus Asunción rauszukommen. Das Praktikum werde ich noch eine Woche machen, bis nächsten Freitag. In der Woche danach kommt dann auch schon der Rest meiner Gastfamilie aus Buenos Aires, da mein Gastbruder am Samstag danach heiratet.
Thema EM: Ich konnte das erste Spiel nicht sehen, weil ich auf einem AFS-Camp war, das zweite nicht, weil ich bei den Indigenen war, das dritte nicht weil Vatertag war und meine Familie aufs Land gefahren ist…Erst vom Griechenland-Spiel konnte ich die Schlussphase nach der Arbeit sehen. Und für das Italien-Spiel habe ich mir von einem unserer Kinder einen Fernseher ausgeliehen und während der Arbeit mit Deutschlandtrikot und –schal das Spiel verfolgt. Das Ergebnis ist bekannt und den Spott der Kinder könnt ihr euch vorstellen…
Zu allem Überfluss wurde ich auch noch aus meinen Zimmer geschmissen! Ein befreundeter Spanischer Priester wohnt jetzt auch bei uns, ich schlafe daher mit Alex und Benji in einem Zimmer. Und ab Donnerstag, so wurde es angekündigt, schlafen wir Jungs im Wohnzimmer auf Matratzen
Es ging alles ganz schön schnell am Ende, jetzt sind schon vier gute Freunde weg. Vorgestern habe ich mich von den Volleyballern verabschiedet. Morgen lade ich meine Arbeitskollegen zu mir zum Asado ein. Ich bin aber froh, dass die Hochzeit mir die Möglichkeit gibt, mich von der gesamten Familie zu verabschieden. Das heisst, von dem Teil, den ich im Januar in Argentinien kennengelernt habe und auch von dem Teil, bei dem ich mein Praktikum gemacht habe.
Ich geniesse die letzte Woche hier in Paraguay und freue mich auch schon auf Deutschland!

2012-05-17

25.7. 14:30 Uhr und ich bin schon wieder in Hamburg! Die Zeit vergeht wie im Flug...

Wie ihr es euch fast denken könnt, schreibe ich nur, weil ich wieder mal auf Reise war!

Ganz paraguayisch war natürlich erst am Tag vor der Abreise klar, dass wir überhaupt reisen könnten. Unser Ziel, das Pantanal, lag im Norden Paraguays in der Nähe der Grenzen zu Bolivien und Brasilien. Leider fuhren aufgrund des Regens keine Busse in den Norden, so sind wir kurzerhand mit einem Militärflugzeug geflogen. Nach ca. 3 Stunden unruhigen Fluges (das lag gar nicht so sehr an der Maschine, sondern vielmehr an unserem Sitzplatz: mit unseren Beinen drückten wir gegen die Wand der Toilette, sodass man die Tür deshalb nicht mehr schliessen konnte. Jedes Mal, wenn jemand die Toilette benutzte, wurden wir also geweckt) kamen wir in Bahia Negra an. Glücklicherweise kannten wir auf dem Flug einen Engländer kennen, der die gleiche Reise wie wir geplant hatte und schon ein Boot bestellt hatte, dass ihn zur Biologenstation bringt. Also teilten wir die Spritkosten und sahen schon auf dem Hinweg den ersten Kaiman!
Angekommen auf der Biologenstation, ein Haus am Flussufer mit zwei Kanus und einem Motorboot ausgestattet, abgeschottet von der Aussenwelt, konnten wir die Hektik aus Asuncion hinter uns lassen und ein paar Tage richtig abschalten. So angelten wir zum Beispiel Piranhas und bereiteten danach Piranha-Suppe zu, paddelten im Kanu zwischen den Kaimanen durch und sahen viele Tiere, allerdings hauptsächlich Vögel. Wir badeten uns im Fluss (angeblich mussten wir weder vor Piranhas noch vor Kaimanen Angst haben) und verbrachten so einige sehr ruhige Tage.
Schon am Donnerstag sind wir zurück nach Bahia Negra, um von dort mit dem Schiff nach Concepcion zfahren. Als wir das erste Mal in Bahia Negra waren, haben wir uns kurz mit dem Marine-Kapitän unterhalten und herausgefunden, dass sein Sohn mit AFS in Belgien war! Dementsprechend baten wir ihn um Auskunft um eine Unterkunft: Es endete mit einem Fussballspiel auf dem Dorfplatz mit den restlichen Marinesoldaten und ein paar wohlverdienten Bier und einer Runde Truco im Haus des Kapitäns, bei dem wir dann sogar schlafen durften!
Zum richtigen Abenteuer wurde dann erst die Rückfahrt. Auf einem Schiff, das einem fahrenden Markt ähnelt und deren "Toiletten" nur notdürftig ausgestattet waren, (von einer Dusche ganz zu schweigen...) verbrachten wir die nächsten zwei Tage. Über den Kapitän konnten wir kurzfristig noch eine Koje für vier Personen für die erste Nacht reservieren, die zwar nicht gerade gross war, wir aber doch sehr gut geschlafen haben. In der zweiten Nacht mussten wir unseren Platz aber leider räumen...und die Hängematten, in denen man schlafen kann, waren auch schon belegt. Netterweise bat uns der Engländer seine Koje an, die aber nur für zwei Personen ausgelegt war. Trotzdem nahmen wir das dankend an und schliefen zu fünft mit Gepäck und Zelten in der kleinen Koje.
Sonntagmorgen kamen wir am Hafen von Concepcion an und nahmen eine Kutsche bis zum Busterminal. Am Terminal angekommen warteten schon viele Leute auf den Bus nach Asuncion, vor denen wir uns unfreiwillig in den Blickpunkt rückten: Der Kutscher wollte uns klarmachen, dass wir (zu viert) 100.000 Guaranies (knappe 20 Euro) bezahlen müssten, da es pro Person 20.000 Guaranies kosten würde...das ganze Terminal machte sich über den Kutscher lustig und so kam es nach Verhandlungen mit dem Büro und einem Polizisten zu einem Preis von 50.000 Guaranies, der wohl nur knapp über dem Normalpreis liegt.
Als ich dann wieder in Asuncion ankam, berichtete ich Nicho zuerst aus guter Distanz von meiner Reise, bevor er mich unter Flüchen auf Spanisch und Guaraní unter die Dusche schickte...

Auf meiner Arbeit läuft der Englischunterricht nun immer besser. Da wir jetzt vier Erzieher sind, die Englisch sprechen, bilden wir immer Kleingruppen von zwei-vier Kindern pro Erzieher. Wir teilen sie immer nach Leistungsstärke ein, so erreichen wir sie besser und bei einigen sind schon gute Fortschritte zu erkennen.
Am Freitag wird der zweite Stock bei uns eingeweiht und sogar der Chef einer unserer Spendeorganisationen aus Hamburg, der zur Zeit in Paraguay ist, wird da sein.

Nach einer langen Woche an Arbeit war dann wieder mal Zeit für Urlaub. Da hier Montag und Dienstag Feiertage waren, nutzten Nicho (mein ältester Gastbruder) und ich die Zeit, zusammen Urlaub zu machen. Natürlich hatten auch wir beide nichts geplant, und so hatten wir glück, dass seine Tante zufällig ein Haus in Villa Florida hat, wo wir einen halben Tag verbrachten. Allerdings war die Stadt ausgestorben, genauso wie Encarnacion, wohin wir einen Tag später reisten. Dann fanden wir aber doch noch einen traumhaften Ort. In San Cosme y Damian besuchten wir die Jesuiten-Ruinen und fuhren mit einem Boot zu den Sanddühnen mitten auf dem 30 km breiten Fluss Rio Paraná. Ein traumhaft schöner Ort, nur leider fiel auf dem Hinweg der Motor aus...wir riefen vom Boot aus die Marine an, die diese Ausflüge anbietet und uns wurde gesagt sie wären schon auf dem Weg. Als wir dann später nochmal anriefen, mussten sie erst noch Sprit für das Motorboot suchen...
Zum Glück sprang der Motor nach einer halben Stunde wieder an, sodass wir doch noch auf die Duhnen konnten.
Immer noch völlig durchnässt vom Hinweg machten wir uns dann auf den Rückweg. Da die Sonne schon untergegangen war, wurde es auch verdammt kalt und so haben wir uns beide erkältet und haben heute noch einen Tag mehr frei...

So langsam gehen auch die ersten Abschiede los. Letzte Woche hat sich ein mexikanischer Freund schon auf den Heimweg gemacht und die Zeit vergeht verdammt schnell. Bis Ende Juni arbeite ich nur noch und danach werde ich einen Teil meines Vorpraktikums hier in Paraguay ableisten. Danach wird dann ein grosser Teil meiner Gastfamilie aus Buenos Aires kommen und bei uns schlafen. Volles Haus bis zur Hochzeit meines Gastbruders, die hoffentlich einen schönen Abschied darstellt.

2012-03-22

Also doch Volleyball...

Natuerlich Turnier...
Und es hat sich auch gelohnt! Zwar hat sich die monatelange Zeit ohne Training in Kombination mit der erschlagenden Hitze nicht gut gemacht, in einem recht undurchsichtigen Spielsystem habe ich aber mit meinem Partner das U-20-Turnier gewonnen! Es wurde nach dem System jeder gegen jeden gespielt, wobei wir gegen den Spaeteren Zweiten verloren haben. Dadurch, dass wir verloren haben, mussten wir im Finale einen Satz mehr gewinnen. Sprich ein 2:1 hat nicht gereicht, sondern wir durften dann bei 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit auch noch einen 4. Satz spielen, den wir gewannen und damit das Spiel mit 3:1 gewonnen haben...dementsprechend zufrieden habe ich mir danach den Super-Bowl mit einem Hefeweizen angeschaut.
Das spielerische Niveau ist hier natuerlich nicht so hoch wie in Deutschland, aber andere Sachen, wie zum Beispiel bezahlte Schiedsrichter und ein Spielsystem, das wohl einmalig ist, haben mich zum Schmunzeln gebracht.
Seitdem habe ich auch drei mal pro Woche trainiert, was allerdings nur moeglich war, weil meine Arbeit etwas zurueckgegangen ist. Bei uns in der Markthalle wurde jetzt ein zweiter Stock eingebaut! Dort wird demnaechst ein Buero, ein Abstellraum und wahrscheinlich auch eine PC-Ecke sein! Gerade wurde naemlich der dritte Antrag meiner Chefin bei der deutschen Botschaft auf Unterstuetzung angenommen! Das bedeutet umgerechnet ca. 8000 Euro, die wir in neue Moebel und Computer investieren werden. Dadurch wird sich so einiges aendern bei uns, denn bislang war die Philosophie stets, moeglichst ohne Geld viel zu schaffen.
Das bedeutete fuer uns Erzieher sehr viele Theorieeinheiten im Haus der Direktorin. Manchmal wurde es langweilig, allerdings habe ich auch etwas in der Hand: ein Zertifikat, mit dem ich andere Erzieher und auch Eltern in das International Child Development Program einweisen darf. Manchmal arbeiteten wird halbtags, sodass ich genug Zeit hatte, zum Beachvolleyball zu fahren. Das heisst naemlich fuer mich immer eine Stunde Busfahrt zur Rushhour ( ich glaube von den Bussen haben sich die meisten von Euch ein Bild gemacht) und dann noch rund 1000 m Laufen. Ich war also in der Regel schon komplett durchgeschwitzt als ich da war...
Als meine Beachvolleyballzeit seinen Hoehepunkt hatte, ruft mich eine Freundin von einem Freund vom Volleyball an: Ich solle doch in der Auswahl von Luque, einer Stadt ausserhalb von Asuncion, die sich selbst als "Republik Luque" bezeichnen....Seitdem habe ich dann teilweise erst Beach trainiert und bin danach noch in die Halle gegangen. Ein Hallenturnier habe ich dann auch mitgespielt, als Libero! In den ersten beiden Spielen waren alle ziemlich nervoes und wir sind eine zusammengewuerfelte Truppe, da hat es nicht so viel Spass gemacht. Die Begruessung vor dem ersten Spiel war schon sehr interessant, alle moeglichen Funktionaere waren da, Paraguayerinnen tanzten landestypische Taenze und die Nationalhymne wurde gespielt.
Das eigentliche Highlight des Turniers war das zweite Spiel! Um 19 Uhr sollte ich an dem vereinbarten Treffpunkt sein, ungewohnt deutsch war ich das dann auch... Um 19:40 werde ich dann abgeholt, mit dem "Bus"...Sonderfahrt in einem meiner geliebten Linienbusse! Einige Freunde von mir wollten sich das Spiel in Lambare auch angucken. So trafen sie sich vor dem Rathaus Lambares, damit Dario, der dort in der Naehe wohnt, sie fuehrt. Als ich erfahren habe, dass wir mit so einem grossen Bus kommen, haben wir die anderen natuerlich noch eingesammelt. Problem: der Busfahrer kannte den Weg nicht...also springt Dario ein und dirigiert den Busfahrer zum gewuenschten Ziel. Da wir ja wie erwaehnt schon spaet dran waren, haben wir uns dann im Bus schon umgezogen. Trotzem waren wir zu spaet...Ich war schon ueberrascht, dass die internationale Regel was den Spielbeginn betrifft auch hier in Paraguay gilt! Wir hatten eigentlich verloren, allerdings waren die Gegner so gut und wollten auch spielen, sodass wir dann auf dem Feld 0:2 verloren haben...
Das dritte Spiel haben wir dann auswaerts mit Fanunterstuetzung gegen den vermeintlichen Favoriten mit 2:0 gewonnen, danach war die Stimmung natuerlich top.

Ausserdem arbeitet jetzt Julian aus Hamburg bei mir, der im Februar nach Paraguay gekommen ist. Wir verstehen uns echt gut und sind beide sehr zufrieden mit unserem Projekt. Allein an die Tatsache, dass wir Theorieeinheiten machen, waere wohl in anderen Organisationen kaum zu denken. Dort werden teilweise sogar Kinder geschlagen.
Ich mache ausserdem jetzt mit dem Englischunterricht weiter, zwei mal die Woche jeweils eine halbe Stunde. Leider ist die Arbeit gerade in dieser Woche (Moebel ruecken, Kuehlschraenke tragen, Unkraut mit Machete "jaehten", etc.) besonders hart, sodass ich wenig Energie dafuer habe, in der Rushhour noch zum Volleyball zu fahren...

Ausserdem habe ich zwischendurch noch auf einer Schulsportveranstaltung Werbung fuer AFS gemacht. Das war aber nicht irgendeine Schulveranstaltung, sondern in der American School of Asuncion, die teuerste Schule des Landes. Ich war echt beeindruckt, wie sehr das vermarktet wird! Nivea, Nike, Handyanbieter, Einlasskontrollen, Kamera-Teams...fuer Kindersport. Dort haben wir Flyer von AFS verteilt und versucht AFS bekannt zu machen, mussten aber feststellen, dass AFS hier doch schon sehr present ist (zumindest in den hohen Kreisen).

Da mir das Werbung machen so viel Spass gemacht hab, habe ich auch noch Nivea vertreten. Die Mutter von Laura, einer anderen Deutschen, arbeitet in der Marketing-Abteilung von Nivea und suchte Freiwillige, die auf dem Konzert eines Synphonie-Orchesters, das Beatles-Songs gespielt hat, Proben verteilen. Laura und ich sind alle Proben losgeworden und durften danach das Konzert aus der ersten Reihe sehen.

In meiner Familie ist weiterhin alles top! Nicho hat sich verlobt, meine Gasteltern hatten Silberhochzeit...das Uebliche halt. Das ist damit schon die zweite Verlobung die ich hier miterlebe! Zur Hochzeit im naechsten Maerz wurde ich auch schon eingeladen, das kann aber schwierig werden denke ich...
Mit Alex rede ich im Moment viel ueber Deutschland, da er unbedingt ein Austauschjahr machen will. Dafuer braucht er aber laut seiner Mutter erst einmal bessere Noten...

Philip von der schwedischen Organisation Tamam, die uns unterstuetzt, hat Clara und mich angeschrieben und gebeten ein Kind zum Zahnarzt zu begleiten. Der Kleine hat starke Zahnschmerzen und Tamam bezahlt die Arztrechnung fuer ihn. Am Mittwoch wurde ihm ein Zahn gezogen und jetzt gehen wir morgen noch einmal zur Kariesbehandlung hin, die mindestens drei Mal stattfindet.

Von AFS habe ich auch eine Nachricht bekommen: Zwischen dem 24. und 26. Juli fliege ich wieder zurueck!

2012-01-31

Huch, schon Halbzeit?

Ich melde mich zum ersten Mal in 2012! Ich bin also schon bei der Halbzeit angekommen, die Zeit vergeht hier rasend schnell...
Mal wieder war ich im Urlaub ;-)
Nach Weihnachten sind wir ( alle, bis auf Mark und Nicho) mit dem Auto nach Buenos Aires gefahren, was so um die 17 h gedauert hat. Im Haus meiner Gastgrosseltern, wo wir gewohnt haben, gab es kein Internet, dafür aber Pool und viel Familie! Meine Gastmutter hat in Buenos Aires 6 Brüder, die alle irgendwann mal zum Essen gekommen sind. Sie mussten sich allerdings absprechen, dass nur zwei zur Zeit mit Familie kommen, da sonst der Platz nicht gereicht hätte. So war eigentlich fast jeden Nachmittag volles Haus, wodurch es nie langweilig wurde. Silvester haben wir dann bei einem meiner Gastonkel verbracht, der in einem privaten Viertel mit Zugang zu einem See wohnt. Aus dem Garten haben wir dann das Feuerwerk im ganzen Viertel gesehen (die geben verdammt viel Geld dafür aus...). Feiern bin ich dann nicht mehr gegangen, weil das alles relativ schwierig zu organisieren ist. Somit war ich für lateinamerikanische Verhältnisse recht früh im Bett.

An Neujahr habe ich Lucas (meinen ehemaligen Austauschschüler aus Buenos Aires) dann endlich wiedergesehen! Ich wurde total nett von der ganzen Familie aufgenommen und hab mich gleich wieder heimisch gefühlt. Abends haben wir uns dann mit Laura (deutsche Freiwillige in Asunción) und ihrem Freund aus Deutschland in einer Bar getroffen und um 24:00 Uhr auf meinen Geburtstag angestossen.


Am Nachmittag habe ich mit der ganzen Familie bei meinen Gastgrosseltern gefeiert und Lucas` Familie war auch dabei. War echt schön mit zwei Gastfamilien zu feiern! Wir sassen zusammen, haben Kuchen gegessen und am Ende bin ich dann mit Klamotten im Pool gelandet...mein erster Geburtstag im Sommer!
Abends bin ich noch mit meinem Gastonkel, seiner Tochter, meiner Gastmutter, Nathalie und Lucas Essen gegangen, wobei natürlich auch Truco gespielt wurden musste! ( Das setzt sich seitdem bei uns in Asunción auch durch!).
Während den nächsten Tagen habe ich die Familien ab und zu gewechselt, eine Zeit lang habe ich bei Lucas gewohnt und dann wieder bei meinen Gastgrosseltern gewohnt.

Am Samstag ging es dann in den Kurzurlaub nach Uruguay! Ich habe mich mit Jonas und Clara, die aus Asunción gekommen sind, in Montevideo am Terminal getroffen und habe mit ihnen in einerm Hostel in der Altstadt gewohnt. Montevideo war wie ausgestorben, weil die meisten an den Strand fahren im Sommer. Trotzdem haben wir viele schöne Orte in Montevideo gefunden. Die Stadt hat etwas Europäisches, ist aber nicht so gross wie Buenos Aires, was sie sehr angenehm macht. Wir sind z.B. am Hafen gewesen, am Strand, im Fussballstadion und in der Altstadt. Nach 3 Tagen in Montevideo setzten wir uns in den Bus nach Punta del Este, DEM Urlaubsziel für die High Society des Südens. Dementsprechend wurde auch unser Geldbeutel angegriffen, eine Nacht im Hostel kostete so viel wie drei in Montevideo! Und diese Preise ziehen sich durch die gesamte Gegend, da vermisst man die "Coca für Mil" aus Asunción ;-) Die gibt es nämlich meistens im Bus zu kaufen, 0,2 L im Becher serviert! (Kostet 1 000 Guaranies, das sind ca. 17 cent ) Bei momentan sehr stickigen 40 Grad kann einem auf meinen geliebten Busfahrten echt nichts Besseres passieren!

Aber zurück zu Punta del Este: Die Strände sind auch echt schön, es war nur schade, dass wir nur zwei Tage da waren. Bis dahin war der Urlaub top - konnte natürlich nicht so bleiben! Auf dem Rückweg haben wir Claras Kamera und somit fast alle Fotos des Urlaubs verloren...Das trübte die Stimmung etwas.
Jonas ist danach noch zu mir nach Buenos Aires gekommen für drei Tage und wir haben Sightseeing im Schnelldurchlauf gemacht. War sehr interessant, es sind viele Erinnerungen hochgekommen!
Jonas ist dann am Samstag wieder zurück nach Asunción und ich bin noch ein paar Tage geblieben.

Am Mittwoch morgen sind wir wieder zurück gefahren, und mit uns meine Gastcousine, die noch bis Samstag hier gewesen ist. Durch den Familienurlaub ist das Verhältnis zu meiner Gastfamilie noch besser geworden finde ich, da wir viel zusammen gemacht haben, wenn es auch nur Terere-Trinken mit meinem Gastvater war! Solange ich eine Termo hatte...die wurde mir nämlich zu Weihnachten geschenkt um das paraguayische Nationalgetränk zu trinken. Mein Name war eingraviert, der Name meiner Gastfamilie und die paraguayische Flagge. Sie wurde mir in einem Freizeitpark in Buenos Aires geklaut, als ich für einen Moment unaufmerksam war...Ich werde aber auf jeden Fall eine neue kaufen und die als Andenken mit nach Deutschland bringen.

In Buenos Aires musste ich grinsen, als mir bei 30 Grad gesagt wurde, es wäre frisch...in Asunción ist mir das Grinsen vergangen. Zuhause angekommen, sah mein "Bettfertigmachen" so aus: Oberkörper mit Wasser nass machen, Handtuch nass machen und aufs Bett legen, Ventilator auf Maximum und dann hoffen, dass ich einschlafe, bevor das Handtuch nicht mehr kühl ist. Die nächsten Nächte waren nicht ganz so schlimm, aber da ist ja auch noch meine Arbeit!
Bei einer Mischung aus stickiger Hitze und Gestank nach Früchten, Gemüse, Fleisch und was noch so alles auf dem Grossmarkt gelagert wird, haben wir in unserer Markthalle mikrige drei Ventilatoren, die heisse Luft durch die Gegend pusten. Zum Glück arbeite ich während der Schulferien halbtags, nur dienstags und donnerstags bleiben wir länger um das weitere Vorgehen zu planen. Allerdings kommen jetzt sowohl die Vormittags-, als auch die Nachmittagsgruppe zur selben Zeit, was das ganze ziemlich intensiv macht, aber ich habe nachmittags Zeit für andere Sachen.
So habe ich zum Beispiel endlich einen guten Volleyballverein gefunden. Eigentlich gleich zwei... Ueber die Oma von Nichos Freundin habe ich Kontakt zu einem Volleyballer aufgenommen, der auch schon in Spanien gespielt hat und im Moment unter anderen die Tante (die eine bekannte Fernsehmoderatorin ist) und die Oma von Nichos Freundin trainiert. Natuerlich hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet und bin dann in einer Damengruppe gelandet, die mir nacheinander Bilder von ihren Toechtern gezeigt haben...volleyballtechnisch war das Niveau nicht so hoch, aber wir hatten maechtig Spass! Im Anschluss musste dann noch ein Foto fuer Facebook gemacht werden:

Danach bin ich dann in einen anderen Club, etwas ausserhalb von Asuncion gefahren, in dem nur Beachvolleyball gespielt wird. Es tat echt gut, mal wieder eine Runde zu spielen und nach uns hat sogar das Nationalteam Paraguays trainiert (fuer die Insider unter euch: ungefaehr A-Cup-Niveau). Die Leute sind dort sympatisch und das Niveau stimmt auch, ich kann mir also gut vorstellen da weiterzumachen. Ich wurde sogar noch eingeladen, am Wochenende ein Turnier zu spielen... Jetzt stellt sich fuer mich die Frage: Turnier oder "Nossa, nossa" live?