2012-05-17

25.7. 14:30 Uhr und ich bin schon wieder in Hamburg! Die Zeit vergeht wie im Flug...

Wie ihr es euch fast denken könnt, schreibe ich nur, weil ich wieder mal auf Reise war!

Ganz paraguayisch war natürlich erst am Tag vor der Abreise klar, dass wir überhaupt reisen könnten. Unser Ziel, das Pantanal, lag im Norden Paraguays in der Nähe der Grenzen zu Bolivien und Brasilien. Leider fuhren aufgrund des Regens keine Busse in den Norden, so sind wir kurzerhand mit einem Militärflugzeug geflogen. Nach ca. 3 Stunden unruhigen Fluges (das lag gar nicht so sehr an der Maschine, sondern vielmehr an unserem Sitzplatz: mit unseren Beinen drückten wir gegen die Wand der Toilette, sodass man die Tür deshalb nicht mehr schliessen konnte. Jedes Mal, wenn jemand die Toilette benutzte, wurden wir also geweckt) kamen wir in Bahia Negra an. Glücklicherweise kannten wir auf dem Flug einen Engländer kennen, der die gleiche Reise wie wir geplant hatte und schon ein Boot bestellt hatte, dass ihn zur Biologenstation bringt. Also teilten wir die Spritkosten und sahen schon auf dem Hinweg den ersten Kaiman!
Angekommen auf der Biologenstation, ein Haus am Flussufer mit zwei Kanus und einem Motorboot ausgestattet, abgeschottet von der Aussenwelt, konnten wir die Hektik aus Asuncion hinter uns lassen und ein paar Tage richtig abschalten. So angelten wir zum Beispiel Piranhas und bereiteten danach Piranha-Suppe zu, paddelten im Kanu zwischen den Kaimanen durch und sahen viele Tiere, allerdings hauptsächlich Vögel. Wir badeten uns im Fluss (angeblich mussten wir weder vor Piranhas noch vor Kaimanen Angst haben) und verbrachten so einige sehr ruhige Tage.
Schon am Donnerstag sind wir zurück nach Bahia Negra, um von dort mit dem Schiff nach Concepcion zfahren. Als wir das erste Mal in Bahia Negra waren, haben wir uns kurz mit dem Marine-Kapitän unterhalten und herausgefunden, dass sein Sohn mit AFS in Belgien war! Dementsprechend baten wir ihn um Auskunft um eine Unterkunft: Es endete mit einem Fussballspiel auf dem Dorfplatz mit den restlichen Marinesoldaten und ein paar wohlverdienten Bier und einer Runde Truco im Haus des Kapitäns, bei dem wir dann sogar schlafen durften!
Zum richtigen Abenteuer wurde dann erst die Rückfahrt. Auf einem Schiff, das einem fahrenden Markt ähnelt und deren "Toiletten" nur notdürftig ausgestattet waren, (von einer Dusche ganz zu schweigen...) verbrachten wir die nächsten zwei Tage. Über den Kapitän konnten wir kurzfristig noch eine Koje für vier Personen für die erste Nacht reservieren, die zwar nicht gerade gross war, wir aber doch sehr gut geschlafen haben. In der zweiten Nacht mussten wir unseren Platz aber leider räumen...und die Hängematten, in denen man schlafen kann, waren auch schon belegt. Netterweise bat uns der Engländer seine Koje an, die aber nur für zwei Personen ausgelegt war. Trotzdem nahmen wir das dankend an und schliefen zu fünft mit Gepäck und Zelten in der kleinen Koje.
Sonntagmorgen kamen wir am Hafen von Concepcion an und nahmen eine Kutsche bis zum Busterminal. Am Terminal angekommen warteten schon viele Leute auf den Bus nach Asuncion, vor denen wir uns unfreiwillig in den Blickpunkt rückten: Der Kutscher wollte uns klarmachen, dass wir (zu viert) 100.000 Guaranies (knappe 20 Euro) bezahlen müssten, da es pro Person 20.000 Guaranies kosten würde...das ganze Terminal machte sich über den Kutscher lustig und so kam es nach Verhandlungen mit dem Büro und einem Polizisten zu einem Preis von 50.000 Guaranies, der wohl nur knapp über dem Normalpreis liegt.
Als ich dann wieder in Asuncion ankam, berichtete ich Nicho zuerst aus guter Distanz von meiner Reise, bevor er mich unter Flüchen auf Spanisch und Guaraní unter die Dusche schickte...

Auf meiner Arbeit läuft der Englischunterricht nun immer besser. Da wir jetzt vier Erzieher sind, die Englisch sprechen, bilden wir immer Kleingruppen von zwei-vier Kindern pro Erzieher. Wir teilen sie immer nach Leistungsstärke ein, so erreichen wir sie besser und bei einigen sind schon gute Fortschritte zu erkennen.
Am Freitag wird der zweite Stock bei uns eingeweiht und sogar der Chef einer unserer Spendeorganisationen aus Hamburg, der zur Zeit in Paraguay ist, wird da sein.

Nach einer langen Woche an Arbeit war dann wieder mal Zeit für Urlaub. Da hier Montag und Dienstag Feiertage waren, nutzten Nicho (mein ältester Gastbruder) und ich die Zeit, zusammen Urlaub zu machen. Natürlich hatten auch wir beide nichts geplant, und so hatten wir glück, dass seine Tante zufällig ein Haus in Villa Florida hat, wo wir einen halben Tag verbrachten. Allerdings war die Stadt ausgestorben, genauso wie Encarnacion, wohin wir einen Tag später reisten. Dann fanden wir aber doch noch einen traumhaften Ort. In San Cosme y Damian besuchten wir die Jesuiten-Ruinen und fuhren mit einem Boot zu den Sanddühnen mitten auf dem 30 km breiten Fluss Rio Paraná. Ein traumhaft schöner Ort, nur leider fiel auf dem Hinweg der Motor aus...wir riefen vom Boot aus die Marine an, die diese Ausflüge anbietet und uns wurde gesagt sie wären schon auf dem Weg. Als wir dann später nochmal anriefen, mussten sie erst noch Sprit für das Motorboot suchen...
Zum Glück sprang der Motor nach einer halben Stunde wieder an, sodass wir doch noch auf die Duhnen konnten.
Immer noch völlig durchnässt vom Hinweg machten wir uns dann auf den Rückweg. Da die Sonne schon untergegangen war, wurde es auch verdammt kalt und so haben wir uns beide erkältet und haben heute noch einen Tag mehr frei...

So langsam gehen auch die ersten Abschiede los. Letzte Woche hat sich ein mexikanischer Freund schon auf den Heimweg gemacht und die Zeit vergeht verdammt schnell. Bis Ende Juni arbeite ich nur noch und danach werde ich einen Teil meines Vorpraktikums hier in Paraguay ableisten. Danach wird dann ein grosser Teil meiner Gastfamilie aus Buenos Aires kommen und bei uns schlafen. Volles Haus bis zur Hochzeit meines Gastbruders, die hoffentlich einen schönen Abschied darstellt.

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